Liebe Gemeindeglieder,

haben Sie sich auch schon gefragt, was mit der Orgel in unserer Kirche geschieht?

Seit längerer Zeit wird sie nicht mehr gespielt; die Lieder im Gottesdienst werden mit einem beschlossen begleitet. – Und nun ist auch noch der hintere Teil der Kirche mit einer dicken undurchsichtigen Folie luftdicht abgeteilt worden.

Der Grund liegt in der Schimmelbildung innerhalb der Orgel und auf dem Mobiliar im Orgelraum. Experten führen die vermehrte Schimmelbildung, die sich in vielen Kirchen in Deutschland bemerkbar gemacht hat, auf den Klimawandel und die damit einhergehende höhere Luftfeuchtigkeit zurück. Hinzu kommt, dass in den Kirchen wenig Luftaustausch stattfindet und wir in Brake vor vielen Jahren auf Empfehlung von Orgelsachverständigen die Heizungstruhen hinter der Orgel stillgelegt haben, weil Temperaturschwankungen, die durch die wenige Nutzung der Kirchenräume vor allem im Winter nicht zu vermeiden sind, der Orgel schaden sollten.  Wie auch immer – wir haben nun den Schimmel in der Orgel und müssen ihn beseitigen. Und wir müssen vor allem dafür sorgen, dass nach der Säuberung ein nochmaliger Schimmelbefall vermieden wird.

Der Kirchenraum vor der Folie ist vorsichtshalber mit persönlichem Engagement unserer Pfarrer und einiger fleißiger Helfer gründlich gereinigt und desinfiziert worden, so dass durch den Besuch der Kirche und die Teilnahme am Gottesdienst keine Gefahren bestehen.

Auch die Orgel muss gereinigt und desinfiziert werden. Hierzu wird sie zerlegt, die kleinen Teile werden außerhalb in einer Werkstatt behandelt, die großen Teile in der Kirche gelagert und vor Ort gereinigt. Darin haben Orgelbaufirmen Erfahrung gesammelt. Drei Firmen bieten diese Reinigungsarbeiten, die sowieso alle 15 Jahre durchgeführt werden sollten und in Brake notwendig wären, in einer Preisspanne von EUR 23.500 bis EUR 38.500 an. Dabei ist die Notwendigkeit von Instandsetzungsarbeiten an den Verschleißteilen der Orgel unterschiedlich beurteilt worden.

Orgelsachverständige und auch unsere Organisten empfehlen, gleichzeitig eine Neuintonierung zur Optimierung der Tonqualität und des Klangvolumens vorzunehmen. Dies ist nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, dass das Instrument in seine Einzelteile zerlegt und neu aufgebaut wird. Beschließt der Kirchenvorstand eine Neuintonierung, kostet dies die Gemeinde weitere 20 bis 25 TEUR.

Neben diesen Maßnahmen an der Orgel werden Baumaßnahmen am Kirchengebäude und der Einbau technischer Geräte notwendig, die für eine ausreichende Be- und Entlüftung in der Kirche und in der Orgel sorgen.

Mehrere Lösungsvorschläge haben wir seit Erkennung des Schimmelproblems von Experten erhalten, diskutiert und zur Umsetzung beschlossen, diese Beschlüsse aber wieder zurückgenommen, weil andere Experten diese Maßnahmen für nicht zielführend hielten und auf mögliche Folgeschäden an anderer Stelle hingewiesen haben.

Nun hoffen wir, nach einem stattgefundenen Beratungsgespräch mit Orgelsachverständigen, Lüftungs- und Heizungsbauingenieuren, Musiksachverständigen und Verantwortlichen aus dem Kirchenvorstand eine Lösung des Problems gefunden zu haben. Als Ergebnis dieser Beratung werden als Sofortmaßnahme die Heiztruhen hinter der Orgel wieder in Betrieb genommen. Eine ausreichende Belüftung der Kirche und der Orgel soll durch den Umbau der Fenster neben den Emporen rechts und links vom Altarraum erreicht werden. Die Fenster erhalten dabei einen neuen Rahmen und können danach durch eine Kippvorrichtung geöffnet werden. Das Öffnen und Schließen soll dann über eine luftfeuchtigkeitsabhängige elektrische Steuerungsanlage erfolgen. Die feuchte Luft soll gleichzeitig mittels einzubauender Ventilatoren im hinteren Bereich der Orgel nach außen geführt werden.

Eine Kostenschätzung für diese baulichen und technischen Maßnahmen liegt uns noch nicht vor. Entsprechende Angebote werden eingeholt, wenn uns die Berechnungen des Lüftungsingenieurs vorliegen. – Eine Schätzung wage ich aus Mangel an Erfahrung in diesen Dingen nicht, aber billig wird das Vorhaben bei Umsetzung nicht werden.

Sobald dem Kirchenvorstand weitere Erkenntnisse zu diesen Maßnahmen sowie die dazugehörigen Planungsunterlagen und Ausführungsangebote vorliegen, wird er in ausführlichen Beratungen zu einer Entscheidung kommen müssen.

Dabei wird auch über Alternativen zur Renovierung der Orgel nachgedacht und diskutiert werden. Diese Alternativen beinhalten den Abbau und Verkauf unserer 50 Jahre alten Orgel und damit verbunden den Erwerb einer elektronischen Orgel oder eines Orgelhauptwerkes. Bei diesen Instrumenten werden die Töne nicht durch Windbälge und Orgelpfeifen sondern durch die Umsetzung der gespielten Tasten mittels Computer über entsprechend große Lautsprecher erzeugt. Diese Instrumente sind unempfindlicher gegen Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen, bedürfen keiner aufwendigen Wartung und müssen nicht gestimmt werden. Den Unterschied zwischen einer elektronischen Orgel und einem Orgelhauptwerk habe ich so verstanden, dass die Töne bei der elektronischen Orgel durch Studioaufnahmen als Software erstellt, während die Töne in der Software des Orgelhauptwerkes original von bekannten und berühmten Orgeln aufgenommen wurden.

Von einer Inaugenscheinnahme und einer Hörprobe der elektronischen Orgel in der Trinitatiskirche in Schötmar waren Vertreter des Kirchenvorstandes sehr angetan. Persönlich habe ich keinen Unterschied zu einer herkömmlichen Orgel wahrnehmen können. Die Kirchengemeinde in Schötmar hat die Orgel vor 16 Jahren erworben. Nach Aussagen des Organisten sind alle in der Gemeinde sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Die Orgel hat damals ca. 30.000 EUR gekostet und hat bisher keinerlei Wartungs ,Reparatur- oder Stimmkosten verursacht. Wie sich ein Orgelhauptwerk anhört, wissen wir noch nicht. Der Besuch einer Kirchengemeinde, die ein solches Instrument benutzt, steht noch aus.

Das Thema Orgelmusik in der Braker Kirche und die jetzt notwendige Sanierungsentscheidung mit all ihren Facetten ist für mich das spannendste aber auch gleichzeitig das schwierigste Handlungsfeld des Kirchenvorstandes in über 30 Jahren, die ich in diesem Gremium mitwirke. Auch wenn sich unterschiedliche Sichtweisen in der Sache ergeben, die durch persönliche Einstellungen und Erfahrungen der KV-Mitglieder vorgegeben und gewollt sind, bin ich mir sicher, dass der Kirchenvorstand nach seinem demokratischen Verständnis mit seiner Entscheidung zu einem guten Ergebnis für die Kirchengemeinde Brake kommen wird.

Haben Sie, liebes Gemeindeglied, ein weiteres Informationsbedürfnis oder möchten Sie in unsere Überlegungen ein Votum einbringen, dann wenden Sie sich bitte an ein Kirchenvorstandsmitglied Ihres Vertrauens.

Mit vielen guten Wünschen für eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr

Udo Siekmann