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Kleine Chronik der Wahmbecker Kapelle

Die Kapelle
1954 wurde in einer Gemeindeversammlung im Storkskrug der Beschluss gefasst, eine Totenhalle zu bauen, um dort, wenn es gewünscht würde, Beerdigungen abhalten zu können. Gleichzeitig sollte aber auch ein Mahnmal für die Gefallenen, Vermissten und Opfer der letzten Kriege entstehen.
1957 errichtete die politische Gemeinde Wahmbeck mit der Unterstützung der Kirchengemeinden Brake, St. Pauli und St. Marien und viel Engagement und Eigenarbeit der Wahmbecker auf dem zur Braker Kirchengemeinde gehörenden Friedhof eine kleine Kapelle mit Ehrentafeln für die Gefallenen und Vermissten des zweiten Weltkrieges.
Am
1. Dezember 1957 wurde sie ihrer Bestimmung als Friedhofshalle übergeben.
Doch da für die älteren Gemeindeglieder ein Besuch in der Braker Kirche mit großen Anstrengungen verbunden war, kamen die damaligen Pastoren Diestelmeier und Möller auf die zündende Idee, die Friedhofskapelle für sonntägliche Gottesdienste zu nutzen. Ein erfolgreicher Vorschlag, denn die Wahmbecker nahmen begeistert die Möglichkeit wahr ab Oktober 1958 den sonntäglichen Gottesdienst “vor ihrer Tür” zu besuchen.
Im Laufe der Jahre stellte es sich heraus, dass die Kapelle zu klein war, dass man vor allem nicht die nötigen Nebenräume hatte. Darum plante die Kommunalgemeinde eine Erweiterung. Von Grundnachbarn wurde ein Streifen Land in Größe von ca. 600 qm erworben. Dieser Erweiterungsbau erforderte dann aber doch einen größeren finanziellen Beitrag, so dass die kommunalen und kirchlichen Stellen tief in ihre Tasche greifen mussten, um den Bau zu finanzieren.
1968 wurde die Kapelle durch ortsansässige Unternehmen und tatkräftiger Mithilfe der Wahmbecker Bevölkerung vergrößert und ausgebaut. Die rechtwinklig zum bisherigen Raum angeordnete Erweiterung erhielt zum Wald hin zwei große Fenster aus Glasbausteinen sowie ein mittig angeordnetes rundes Bleiglasfenster. Darüber das Bibelzitat aus Johannes 14,19 „Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Außer der Verlängerung des Innenraums entstanden auch seitliche Anbauten. Nach Norden, Richtung Brake, entstanden ein Raum zur Aufbewahrung von Einrichtungsgegenständen sowie ein Aufbewahrungsraum für die Toten mit einem fahrbaren Sargwagen. Daran schließt sich noch ein von der Friedhofsseite her zugänglicher Geräteraum für den Friedhofsgärtner an. Nach Süden, also zu nach Wahmbeckerheide hin, umfasste die Erweiterung einen Vorraum mit Treppenaufgang zum erweiterten Dachboden über den auch der Läuteturm zu erreichen ist. Weiterhin wurden im Vorraum die neue Elektroverteilung sowie ein Läutewerk für die bereits vorhandene Glocke mit der Inschrift: „Hier ist unser Pilgrimstand, droben unser Vaterland“ installiert. Daran anschließend entstanden eine kleine Sakristei sowie zwei von außen zugängliche Toilettenräume.
Am 17. November 1968 (Volkstrauertag) konnte nach erfolgter Erweiterung die Kapelle wieder ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Bei der feierlichen Einweihung erklang auch zum ersten Mal die neuangeschaffte Orgel (Orgelpositiv).
1975 wurde ein Übergang der Friedhofskapelle als Eigentum an die Kirchengemeinde Brake vereinbart. Die Kirchengemeinde Brake war als Rechtsnachfolgerin des Totenhofsvorstands Wahmbeck schon seit 1970 Besitzerin des Friedhofs (siehe Friedhof).
Am 4. Dezember 1983 feierten mit einem Festgottesdienst, an dem auch der Männer- und Frauenchor Wahmbeckerheide und der Posaunenchor Brake mitwirkten, die Wahmbecker gemeinsam mit der Kirchengemeinde Brake das 25-jährige Bestehen der Kapelle Wahmbeck. Viele Wahmbecker trafen sich nach dem Gottesdienst in der ehemaligen Schule zu einem kleinen Umtrunk, an dem auch mehrere ehemalige Pastore, der ehemalige Bürgermeister und der Ortsausschussvorsitzende teilnahmen.
Im
Herbst 2012 wurde das Friedhofstor durch ein neues ersetzt. Die gemauerten Pfosten sowie das dazwischen befindliche schmale zweiflügelige Tor waren in einem sehr schlechten Zustand. Das Tor hat jetzt eine Durchfahrtsbreite von 2,70 m, die auch für Baumaschinen ausreichend ist. Zudem können jetzt die Fahrzeuge der Bestattungsunternehmen, ohne die Spiegel einzuklappen, ungehindert in den Friedhofsbereich einfahren und auch den Handwerkern und Friedhofsgärtnern ist es möglich, mit einem Anhänger ohne anzuecken bis vor die Kapelle zu fahren.
Im Oktober 2014 erfolgte eine gründliche Renovierung der Aussenfassaden sowie des Glockenturms. Die weit über das Dach ragenden Äste einer großen Eiche wurden durch einen Fachbetrieb auf ein vertretbares Maß zurückgeschnitten werden. Bei dieser Gelegenheit konnten auch die Moosablagerungen auf den Dachpfannen der Westseite zum größten Teil entfernt, alle Dachrinnen gründlich gesäubert, auf eventuell vorhandene Schäden untersucht und teilweise mit neuen Schutzgittern ausgerüstet werden.
Im Mai 2015 drangen Unbekannte gewaltsam in die Kapelle ein und verwüsteten alle Räume mit dem Inhalt des dort aufgestellten Feuerlöschers. Sogar die Orgel blieb nicht verschont. Eine am Folgetag stattfindende Taufe stand kurz vor der Absage. In einer gemeinsamen Aktion mit gut 20 Helfern bis spät in die Nacht gelang es, die Räume wieder soweit zu säubern und herzurichten, dass die Taufe wie geplant stattfinden konnte.
In den nächsten Wochen erfolgten noch eine Grundreinigung durch ein Reinigungsunternehmen sowie ein neuer Farbanstrich der Wände durch einen hiesigen Malermeister. Da auch in der selben Nacht in der Braker Kapelle hohe Sachschäden angerichtet wurden, berichteten in der folgenden Woche alle lokalen Zeitungen in großen Artikeln über diese Vorfälle, die ganz bestimmt nicht als Dummejungenstreiche anzusehen sind. Für sachdienliche Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, hat die Stadt Lemgo daraufhin eine Belohnung ausgesetzt.
Im Frühjahr 2016 wurde die Orgel, oder besser gesagt das Orgelpositiv, einer gründlichen Renovierung unterzogen, da in den letzten Monaten schiefe Töne und andere undefinierbare Geräusche zu hören waren. Ein erfahrener Orgelbauer transportierte die Orgel in seine Werkstatt, reinigte sorgfältig das Innenleben und beseitigte technische Mängel. Da, bedingt durch die Klimaänderung, sich auch die klimatischen Bedingungen in der Kapelle geändert hatten, wurde nach erfolgter Intonation noch ein Luftentfeuchter installiert, der besonders in den Sommer- und Wintermonaten für eine nahezu konstante Luftfeuchtigkeit sorgen soll. Im Karfreitagsgottesdienst 2016 konnte das frisch restaurierte Orgel zum ersten Mal wieder ihre volle Klangfülle entfalten.

Die Küster
Der erste Küster der Friedhofskapelle war das Mitglied im Kirchenvorstand, August Multhaupt, der in seiner 25-jährigen Tätigkeit auch die Friedhofspflege übernommen hatte.
Sein Nachfolger wurde 1986 das Mitglied im Kirchenvorstand Friedrich (Fritz) Vieregge, der dann auch die Aufgaben des Küsters und die Friedhofspflege übernahm.
Am 1. Januar 1991 wurde Fritz Vieregge verabschiedet und Gerda Bobsin von
Pastor Ewerbeck feierlich als neue Küsterin eingeführt. Die Tätigkeiten zur Pflege des Friedhofs übernahmen Manfred Adam und seine Ehefrau Edith solange, bis die Kirchengemeinde Brake Herrn Kurt als festen Mitarbeiter einstellte, der dann für alle anfallenden Arbeiten zuständig wurde.
Gerda Bobsin und ihr Ehemann Heinrich waren fast 30 Jahre als Küster tätig. Im Dezember 2019 haben sie schweren Herzens ihre Tätigkeit aufgegeben, nachdem Heinrich Bobsin sich einer schweren Operation unterziehen musste. Die erforderlichen Tätigkeiten wurden bis zur Neubesetzung der Küsterstelle von den Wahmbecker Mitgliedern des Kirchenvorstands übernommen.
Am 20. September 2020 wurden anläßlich eines Freiluftgottesdienstes auf dem neuen Dorfmittelpunkt das Ehepaar Bobsin feierlich von Pastor Brendler verabschiedet und Hubertus Heidrich als neuer Küster eingeführt. Das zu diesem Zeitpunkt vorgesehene traditionelle Kartoffelfest fiel aufgrund der strengen Regeln der Covid-19 Pandemie (Coronavirus) aus.

Der Friedhof
Bis 1896:
Der an der Abzweigung nach Wahmbeck befindliche Friedhof ist von Anfang an ein kirchlicher Friedhof gewesen.
 Nach dem Schriftverkehr zwischen dem Kirchenvorstand der ev.-ref Kirchengemeinde St. Johann und dem damaligen fürstlichen Konsistorium vom 23. Oktober 1896 bis 1. März 1897 war der Friedhof Wahmbeck ursprünglich nur für die zu St. Johann gehörenden Gemeindeglieder aus Wahmbeck und Hummerntrup geplant.
1897: Bildung einer Totenhofsgemeinde Wahmbeck, der neben den jeweiligen Gemeindegliedern von St. Johann auch die jeweiligen Braker und die nach Brake neu eingepfarrten Gemeindeglieder der Bauernschaft Loßbruch angehörten.
1897 wurden auch die Totenhofsstatuten erlassen.
1910: Als Nachfolge der Muttergemeinde St. Johann traf die Kirchengemeinde St. Pauli 1910 die Rechtsnachfolge an.
1969: Das Lippische Landeskirchenamt schlug mit Schreiben vom 7. Juli 1969 vor, dass die Kirchengemeinde Brake der neue Friedhofsträger werden solle, damit erklärten sich alle einverstanden.
1970: Die Kirchengemeinde Brake ist damit Rechtsnachfolger der Totenhofsgemeinde Wahmbeck (später Friedhofsgemeinde) seit dem 12. März 1970.